Hat Aristoteles gesagt: „Wir sind, was wir wiederholt tun. Vortrefflichkeit ist daher keine Handlung, sondern eine Gewohnheit“? Nicht in diesem Wortlaut. Der bekannte Satz stammt von Will Durant. Er schrieb ihn 1926 in The Story of Philosophy, als er Aristoteles’ Ethik zusammenfasste. Aristoteles erklärte tatsächlich, dass Charakter durch wiederholtes Handeln entsteht; die einprägsame Formulierung gehört jedoch Durant.
Die Belege stehen kompakt im Quellenzentrum zu Will Durants Wortlaut von 1926. Öffne außerdem das Autorenprofil von Aristoteles, das Autorenprofil von Will Durant oder die Sammlung belegter Weisheitszitate.
Kurzes Urteil: Durant schrieb das Zitat
| Verbreitete Zuschreibung | Aristoteles |
|---|---|
| Belegter Autor | Will Durant |
| Belegter englischer Wortlaut | “We are what we repeatedly do. Excellence, then, is not an act, but a habit.” |
| Quelle | The Story of Philosophy, Kapitel II, „Aristotle and Greek Science“ |
| Publikation | Simon and Schuster, New York, 1926 |
| Quellenstatus | Durants Zusammenfassung von Aristoteles’ Lehre über Gewohnheit und Tugend, kein wörtliches Aristoteles-Zitat |
| Quellenbeleg | Eintrag im Quellenzentrum und Primärtext öffnen |
Wie lautet das bekannte Zitat?
„Wir sind, was wir wiederholt tun. Vortrefflichkeit ist daher keine Handlung, sondern eine Gewohnheit.“
Redaktionelle Übersetzung nach Will Durant, The Story of Philosophy (1926), in einer Zusammenfassung von Aristoteles
Die englische Fassung wird häufig zu „Excellence is a habit“ verkürzt oder ohne Werk, Fundstelle und Übersetzer direkt Aristoteles zugeschrieben. Inhaltlich passt sie so gut zu seiner Ethik, dass die Zuschreibung zunächst glaubwürdig klingt. Gerade deshalb muss zwischen dem Ursprung einer Idee und dem genauen Wortlaut unterschieden werden.
Durant erfand keinen fremden Gedanken, um ihn einem antiken Philosophen unterzuschieben. Er erklärte ein echtes Argument von Aristoteles in einprägsamem Englisch des 20. Jahrhunderts. Der Gedanke ist aristotelisch; die bekannten zwei Sätze sind Durants Formulierung.
Wo steht „Wir sind, was wir wiederholt tun“?
Der Satz steht in Will Durants The Story of Philosophy: The Lives and Opinions of the Greater Philosophers. Simon and Schuster veröffentlichte das Buch erstmals 1926. Die Passage gehört zu Kapitel II, „Aristotle and Greek Science“, und dort zum Abschnitt über Ethik und das Wesen des Glücks.
Durant verdichtet darin Aristoteles’ Überlegungen zu Übung, Gewöhnung und moralischem Charakter für ein allgemeines Lesepublikum. Der bekannte Satz gehört zu Durants eigener Darstellung. Er ist nicht als übersetztes Aristoteles-Zitat gekennzeichnet, und sein Wortlaut lässt sich keiner zitierten Zeile aus der Nikomachischen Ethik zuordnen.
Die vollständige englische Ausgabe von 1926 ist als Transkription und Scan von The Story of Philosophy zugänglich. Bereits die Titelseite nennt Will Durant als Autor, Simon and Schuster als Verlag und 1926 als Erscheinungsjahr.
Was schrieb Aristoteles tatsächlich über Gewohnheit?
Das zugrunde liegende Argument findet sich im zweiten Buch der Nikomachischen Ethik. In der englischen Übersetzung von W. D. Ross entsteht moralische Tugend „as a result of habit“, also als Ergebnis von Gewöhnung. Aristoteles erklärt, dass praktische Fähigkeiten durch ihre Ausübung gelernt werden: Baumeister werden durch Bauen zu Baumeistern, und Charakter entsteht durch die Art von Handlungen, für die ein Mensch sich wiederholt entscheidet.
Anschließend überträgt er den Gedanken auf die Ethik. Menschen werden gerecht, indem sie gerecht handeln, besonnen durch besonnene Handlungen und mutig durch mutige Handlungen. Wiederholung zeigt also nicht nur einen bereits fertigen Charakter. Sie trägt dazu bei, eine beständige Haltung überhaupt erst auszubilden.
Durants Zusammenfassung lässt sich mit der Nikomachischen Ethik, Buch II, im Internet Classics Archive vergleichen. Die inhaltliche Verbindung ist klar, der Wortlaut aber sichtbar verschieden. Aristoteles entwickelt ein längeres philosophisches Argument; Durant macht daraus eine knappe moderne Synthese.
Warum wird der Satz Aristoteles zugeschrieben?
Beim Kopieren einer Zusammenfassung kann der Erzähler verschwinden. Durant spricht im gesamten Kapitel über Aristoteles. Wer nur den einprägsamen Schlusssatz herauslöst, kann deshalb annehmen, jeder Satz sei eine Übersetzung aus Aristoteles’ Werk. Spätere Zitatesammlungen, Poster und Websites entfernen den umgebenden Text und behalten nur den berühmteren Namen.
Hinzu kommt der Rhythmus eines klassischen Sinnspruchs. „Wir sind, was wir wiederholt tun“ formuliert die Voraussetzung; „Vortrefflichkeit ist daher keine Handlung, sondern eine Gewohnheit“ liefert die Folgerung. Diese klare Struktur lässt sich leicht als Social-Media-Text, Klassenraum-Poster oder Produktivitätsspruch weitergeben.
Suchmaschinen und Bildplattformen verstärken die verkürzte Zuschreibung, weil viele Seiten voneinander abschreiben. Häufige Wiederholung belegt jedoch nur Popularität, nicht die historische Herkunft. Der datierte Primärtext führt hier zu Durant.
Ist das Zitat falsch?
Als Zitat von Will Durant ist der Satz echt. Auch als knappe Zusammenfassung eines wichtigen Teils von Aristoteles’ Ethik ist er sachlich nachvollziehbar. Falsch ist nur, ihn als wörtlichen Satz des Aristoteles auszugeben. Eine genaue Beschreibung bewahrt beide Teile der Geschichte: Durant schrieb den Wortlaut, während er Aristoteles’ Lehre über Gewöhnung erläuterte.
Das ist informativer, als den Spruch lediglich „fake“ zu nennen. Leser erfahren dadurch, wer die Formulierung schrieb, wann sie erschien und weshalb Aristoteles’ Name damit verbunden wurde.
Wie sollte das Zitat angegeben werden?
- Für den genauen englischen Wortlaut: Will Durant, The Story of Philosophy (1926), Kapitel II.
- Für den zugrunde liegenden Gedanken: Erkläre, dass Durant Aristoteles’ Lehre über Gewöhnung aus dem zweiten Buch der Nikomachischen Ethik zusammenfasst.
- Nicht schreiben: „Aristoteles sagte: Wir sind, was wir wiederholt tun“, ohne die Formulierung als spätere Zusammenfassung zu kennzeichnen.
- Für eine kurze Grafik: Nutze „Will Durant, nach Aristoteles“ oder nur „Will Durant“, wenn nur ein Name Platz hat.
Was bedeutet das Zitat?
Der Satz besagt, dass Vortrefflichkeit nicht durch eine einzelne beeindruckende Leistung gesichert wird. Eine verlässliche Fähigkeit oder Tugend entsteht durch ein Muster aus Übung, Korrektur, wiederholter Entscheidung und Beständigkeit. Eine mutige Handlung kann sehr wichtig sein; ein mutiger Charakter verlangt dennoch mehr als einen isolierten Moment.
Aristoteles’ Argument ist anspruchsvoller als die moderne Formel „Wiederhole etwas lange genug, dann wird es eine gute Gewohnheit“. Qualität, Zweck und Umstände einer Handlung spielen eine Rolle. Wiederholtes schlechtes Handeln kann eine schlechte Haltung ausbilden, ebenso wie wiederholtes gutes Handeln Tugend fördern kann. Gewohnheit ist also nicht automatisch Vortrefflichkeit; sie ist ein Weg, auf dem Charakter geformt wird.
Häufige Fragen
Hat Aristoteles gesagt: „Vortrefflichkeit ist keine Handlung, sondern eine Gewohnheit“?
Nein. Will Durant schrieb diesen Satz 1926 in seiner Zusammenfassung von Aristoteles. Aristoteles’ erhaltene ethische Schriften erklären, wie Tugend durch Gewöhnung und wiederholtes Handeln entsteht, enthalten aber nicht Durants genauen Wortlaut.
Wer sagte „Wir sind, was wir wiederholt tun“?
Will Durant ist der belegte Autor des bekannten englischen Satzes. Er steht in seinem 1926 erschienenen Buch The Story of Philosophy.
Stammt die Idee trotzdem von Aristoteles?
Ja, mit dieser wichtigen Einschränkung: Durant fasst Aristoteles’ Betonung von Gewöhnung und wiederholtem Handeln in der moralischen Entwicklung zusammen. Der philosophische Gedanke ist bei Aristoteles verankert; die knappe moderne Formulierung stammt von Durant.
Kann ich den Spruch mit Aristoteles’ Namen verwenden?
Besser ist die Angabe „Will Durant, nach Aristoteles“. So bleibt die nützliche Verbindung zu Aristoteles erhalten, ohne eine Zusammenfassung des 20. Jahrhunderts in ein falsches antikes Originalzitat zu verwandeln.
Quellen und weiterführende Texte
- Will Durant, The Story of Philosophy (1926), vollständige Ausgabe
- Aristoteles, Nikomachische Ethik, Buch II, englische Übersetzung von W. D. Ross
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Aristotle’s Ethics“
Eine praktische Verwendung des Spruchs findest du außerdem in der Sammlung kurzer Montagsmotivationszitate für die Arbeit. Die Zitateliste verweist nun zurück zu diesem Quellencluster, damit motivierende Verwendung und historische Herkunft klar getrennt bleiben.
